2. Hildener Bläsertage vom 20.- 22. September 2002

Von langer Hand vorbereitet, fanden vom 20. – 22. September 2002 die 2. Hildener Bläsertage statt. Hierzu hatten das Sinfonische Blasorchester der Musikschule Hilden mit seinem Leiter Thomas Volkenstein als Gastgeber und der Hildener Bürgermeister Günter Scheib als Schirmherr neun Orchester mit insgesamt über 500 Musikern eingeladen, um ein Wochenende lang sinfonische Blasmusik im Rheinland aufzuführen. Damit verdoppelte sich die Teilnehmerzahl gegenüber den 1. Hildener Bläsertagen im Jahr 2000.

Teilnehmer aus dem In- und Ausland
Die weiteste Reise nahm das Orchester Balaton M&K aus Balatonkeresztur/Ungarn vom Plattensee auf sich, das privat bei den Gastgeberfamilien untergebracht war. So erhielten die ungarischen Musiker bereits einige Tage vor dem offiziellen Beginn der Bläsertage Gelegenheit, den Besuch in Hilden mit einem umfangreichen Besuchsprogramm, u.a. in Düsseldorf und Köln, zu gestalten.

Persönliche Freundschaften zwischen dem Sinfonischen Blasorchester aus Hilden und den ungarischen Musikern bestehen bereits seit einigen Jahren, denn im August 2002 reiste das Hildener Orchester schon zum zweiten Mal nach Balatonkeresztur und nahm dort am internationalen Musikfestival teil. Dieses Festival wird mit unermüdlichem Organisationstalent schon seit Jahren am Plattensee veranstaltet und verblüfft die Gäste immer wieder aufgrund der Emsigkeit, Spontaneität und Riesenfreude, die die Organisatoren verbreiten. Dies nahmen sich die Veranstalter der Hildener Bläsertage zum Vorbild.

Aus Belgien nahm die Concertband Euterpe an den Hildener Bläsertagen teil, die ebenso wie das Orchester des Musikvereins Fischach aus Bayern zum ersten Mal die Gelegenheit hatte, Hilden kennen zu lernen. Hingegen begegnete man mit dem Spielmannszug der TSG Hamburg-Bergedorf schon „alten Nasen“, die noch von den 1. Hildener Bläsertagen vor zwei Jahren in Erinnerung waren. Die TSG Bergedorf richtet übrigens alle zwei Jahre das „Fest der Nationen“ aus, zu dem das Sinfonische Blasorchester der Musikschule Hilden seit 1995 eingeladen wird. Der Tourkalender des Blasorchesters füllt sich daher immer mehr.

Weiterhin waren die Blasorchester aus Solingen und Meerbusch auf den Hildener Bläsertagen zu hören, während die Hildener Musikszene selbst wurde durch das Sinfonische Blasorchester der Musikschule als Veranstalter und die Boni Big Band repräsentiert wurde.

Eröffnung mit Benefizkonzert des Musikkorps der Bundeswehr
Den ersten Höhepunkt bildete am 20.09. ein Benefizkonzert des Musikkorps der Bundeswehr aus Siegburg mit seinem Leiter Oberstleutnant Walter Ratzek abends in der Stadthalle. Auch Oberstleutnant Ratzek ist in Hilden noch gut bekannt, denn hier leitete er das hier stationierte Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr, bevor er im Herbst 2001 nach Siegburg zum Musikkorps berufen wurde.

Das Musikkorps der Bundeswehr war früher unter seiner alten Bezeichnung „Stabsmusikkorps der Bundeswehr“ bekannt, unter der es bei Staatsempfängen in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn den Gang auf dem roten Teppich musikalisch untermalte. Seit das Ehrenprotokoll aber in Berlin stattfindet, wurde dem Siegburger Musikkorps die Ehre zuteil, als Sinfonisches Blasorchester auf Konzertreisen bei nationalen und internationalen Auftritten die Bundesrepublik zu repräsentieren.

Viele Vorschusslorbeeren begleiteten deshalb das Eröffnungskonzert der Hildener Bläsertage, denen das Musikkorps der Bundeswehr aber voll und ganz gerecht wurde.

Zum einen war traditionelle Musik in der Form deutscher und amerikanischer Märsche zu hören, die auch bei einem sinfonischen Blasorchester eben einfach nicht fehlen dürfen. Daneben führte das Orchester „klassische“ sinfonische Blasmusik auf, die vor allem bei der Opernouvertüre „Die diebische Elster“ von Rossini zu hören war. Als Musik der Moderne standen Melodien aus dem Musical „Chess“, die deutlich als Komponisten die Musiker der Gruppe ABBA heraushören ließen, und drei Lieder aus dem „Songbook“ von Gershwin auf dem ProgrammSchließlich schlug Oberstleutnant Ratzek auch den Bogen zur Musik der Gegenwart und führte das dreisätzige sinfonische Werk „Atlantis“ des zeitgenössischen österreichischen Komponisten Thomas Doss auf. Hier fühlten sich die Mitglieder des Sinfonoischen Blasorchesters der Musikschule an ein ähnliches zeitgenössisches Werk erinnert, das sie vor mehreren Jahren unter Ratzeks Leitung bei einem Workshop erarbeitet hatten. Fremd war diese Musik also nicht.

Da die meisten Teilnehmer der Hildener Bläsertage das Konzert als Zuhörer begleiteten, forderte Thomas Volkenstein sie im Anschluss an das Konzert auf, dem Musikkorps der Bundeswehr nachzueifern. Am Eifer sollte es dann an den nächsten Tagen auch nicht fehlen.

Platzkonzerte und Serenadenkonzert
Am Samstag, dem 21.09., präsentierten sich die Teilnehmer der Bläsertage zunächst am Vormittag mit Platzkonzerten der einzelnen Orchester in der Hildener Innenstadt. Einen weiteren Höhepunkt erlebten die 2. Hildener Bläsertage dann am späten Nachmittag mit einem Gemeinschaftsauftritt in Form eines Serenadenkonzertes aller teilnehmenden Orchester unter freiem Himmel. Kerzen waren in den Kirchen angezündet worden, Sonnentänze wurden aufgeführt und das Wetteramt wurde immer wieder inständig gefragt, ob es nicht doch eine Garantie für einen trockenen Nachmittag abgeben könnte. Schließlich half es: Während des gesamten Serenadenkonzertes ließ sich kein Tropfen Regen sehen, so dass dieses Großereignis wie geplant stattfinden konnte und sogar ein paar Sonnenstrahlen für gute Rahmenbedingungen sorgten. Daher waren innerhalb kurzer Zeit sämtliche 800 Sitzplätze mit Zuschauern gefüllt, so dass der Rest des Publikums stehend dem Konzert folgen musste.

Die Ensembles traten zunächst einzeln auf und stellten auf diese Weise ihre jeweiligen typischen Musikstücke vor. Dabei wurden alle denkbaren Stilrichtungen der Blasmusik von Volksmusik (natürlich original aus Bayern) und Märschen über Big-Band- und Dixie-Jazz bis zu sinfonischer Blasmusik präsentiert. Besonderen Applaus erhielt dabei die belgische Concertband Euterpe, die auf mitreißende Art bekannte Film- und Jazzmelodien interpretierte. Aber auch die anderen teilnehmenden Orchester zeigten eine besondere Spielfreude, die sich sofort auf das begeisterte Publikum übertrug.

Den letzten Teil des Serenadenkonzertes bildete die gemeinsame Aufführung mehrerer Werke mit allen 400 Musikern. Auch hierbei fiel Thomas Volkenstein, der die Dirigentenaufgabe übernommen hatte, sichtlich ein Stein vom Herzen, denn vor dem Serenadenkonzert hatte sich natürlich nur kurz Gelegenheit zur gemeinsamen Probe aller Orchester ergeben. Obwohl beim Abschluss des Konzertes einige Zuschauer angesichts der herbstlichen Abendtemperaturen dann doch schon gerne ein Glas Glühwein oder eine warme Milch mit Honig zu sich genommen hätten, ließen sie sich diese besondere Aufführung nicht entgehen.

Nach diesem dreistündigen Konzert trafen sich die Musiker und die Hildener Gastgeber zu einem Empfang durch Bürgermeister Scheib im Rahmen einer wohlverdienten gemeinsamen Party. Hier konnte noch einmal mit Speis und Trank, Tanz und Gesang gefeiert werden.

Den Abschluss der Hildener Bläsertage bildeten dann am Sonntag, dem 22.09., noch ein paar Platzkonzerte, bevor das Sinfonische Blasorchester seine zahlreichen musikalischen Gäste verabschiedete.

Viel ehrenamtliches Engagement
Letzten Endes waren alle Organisatoren froh, dass sich ihre Mühe und ihr Einsatz gelohnt hatten. Schon seit Beginn dieses engagierten sich hierbei neben Thomas Volkenstein mehrere Arbeitskreise, die aus Mitarbeitern und Schülern der Musikschule sowie deren Eltern bestanden, der Förderverein sowie die Schulpflegschaft der Musikschule Hilden. Von den Plänen über die Beschaffung der Stühle für das Serenadenkonzert über die Unterbringung der auswärtigen Orchester, die Ausarbeitung eines Besichtigungsprogramms für die ungarischen Gäste bis zur Vorbereitung und Durchführung der Werbung für die Bläsertage wurde jede Menge ehrenamtliche Arbeit geleistet. Besondere Erwähnung verdient dabei der Bocholter Student, der sich wochenlang als Organisationstalent in der Musikschule einnistete und den Verdacht (oder die Hoffnung?) erweckte, er werde auch nach den Bläsertagen hauptberuflich als Musikschulorganisator tätig bleiben.

Tatkräftige Unterstützung fanden die Bläsertage aber auch bei den Vertretern der Hildener Wirtschaft und Politik, die in den Bläsertagen die Einrichtung einer „kulturellen“ Institution in Hilden sehen. Besonders unterstützt wurden die Veranstalter der Bläsertage vom Hildener Stadtmarketing-Verein sowie vom Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr und dem Kommandanten der Hildener Waldkaserne.

Trotz des enormen Organisationsaufwandes sahen sich die Veranstalter der 2. Hildener Bläsertage daher durch den Erfolg der Veranstaltung in ihren Bemühungen bestätigt, mit den Bläsertagen in Hilden eine „kleine Tradition“ zu etablieren. So könnte in zwei Jahren vielleicht die Fortsetzung dieser Tradition stattfinden.

Olaf Methner